„Wir fallen noch!“

In der Nacht zum 1. Mai 1903 zogen in der Münchener Türkenstraße mit Gesang und Laute und im Gänsemarsch ein paar weinselige Bohèmiens aus ihrem Stammlokal, der Dichtelei, rüber in den bald weltberühmten Simplicissimus. Hans Bötticher, der sich später Joachim Ringelnatz nannte, wurde Hausdichter im Simplicissimus. Nach ein paar Jahren verlor er die Freude am Simplicissimus und dem Hausdichter-Dasein. Bötticher ging wieder auf Reisen. In Berlin etablierte er sich in den 20er Jahren in Kabarett- und Theaterkreisen. In dieser Zeit entstanden die „Turngedichte“ und artistischen „Reisebriefe“, voller kalter Stuben, Einsamkeit und erfrorener Vögel auf Fensterbrettern. 1930 übersiedelte Ringelnatz endgültig nach Berlin. Im ersten Teil des Abends wird München leuchten, die turbulenten Ereignisse werden wiederbelebt und in Szene gesetzt. Im zweiten blitzen die „sausenden Lichter“ und „tausend Gesichter“ Berlins vorbei. Lyrisches und Dramatisches verwebt sich jedenfalls mit dem melancholischen, rauchigen und etwas näselnden Klängen von Bratsche und Klavier.